Wenn ich mit Agenturinhabern darüber spreche, was sie delegieren, höre ich meistens dieselbe Liste: Termine koordinieren, Unterlagen vorbereiten, E-Mails sortieren, Schadensfälle vorbearbeiten. Klassische Backoffice-Aufgaben also. Und meistens sind sie stolz, dass sie das abgegeben haben.
Wenn ich dann frage, wer dafür verantwortlich ist, dass diese Aufgaben gut erledigt werden, kommt die ehrliche Antwort: „Naja, am Ende ich. Ich kontrolliere ja, obs passt.“
Das ist, was ich meine, wenn ich sage, dass du falsch delegierst. Die meisten Unternehmer delegieren Aufgaben, aber sie delegieren keine Verantwortung. Sie geben das Was ab, behalten das Ob aber bei sich. Und solange das so ist, läuft Delegation auf eine einzige Schleife hinaus: Mitarbeiter machen, du prüfst, du korrigierst, Mitarbeiter machen das nächste Mal, du prüfst wieder.
Aus deiner Sicht heißt das: Du hast jetzt zwei Jobs statt einem. Deinen eigentlichen Job und den Job, die Arbeit deiner Mitarbeiter zu kontrollieren.
Aus deren Sicht heißt das: Egal, wie gut sie arbeiten, am Ende kommt eine Korrekturschleife. Sie können nicht zeigen, was sie wirklich können, weil ihre Arbeit nie als fertig gilt. Mit der Zeit fragen sie immer öfter nach – vorab und vorsichtshalber. Sie hören auf, eigene Entscheidungen zu treffen, weil deine Korrektur sowieso kommt.
Was du als mangelnde Initiative interpretierst, ist in Wahrheit eine erlernte Reaktion auf dein Verhalten. Und dann sagen Unternehmer das, was wir eben besprochen haben: „Selber machen geht schneller.“ Weil die Mitarbeiter angeblich nicht liefern. In Wahrheit haben sie selbst dafür gesorgt, dass sie nicht liefern können.
Merke dir: Echte Delegation heißt nicht „Ich gebe Aufgaben ab und behalte die Kontrolle.“Echte Delegation heißt „Ich übergebe die Verantwortung für ein Ergebnis – und derjenige, der sie übernimmt, trägt sie.“ Das ist ein vollkommen anderer Vorgang.
Wenn du Aufgaben abgibst, hängt das Ergebnis weiter an dir. Wenn du aber die Verantwortung für Ergebnisse abgibst, wechselst du von der Rolle des Hauptproduzenten in die Rolle desjenigen, der das System dahinter baut und führt.
Doch hier wird’s für die meisten unbequem. Weil Verantwortung abzugeben bedeutet, dass jemand anderes Fehler machen darf. Dass jemand anderes Entscheidungen trifft, die du anders getroffen hättest. Dass deine Mitarbeiter einen Weg gehen, der sich nicht wie deiner anfühlt, aber zum Ergebnis führt.
Wer das nicht aushält, wird nie delegieren können – egal, wie viele Aufgaben er auf dem Papier abgegeben hat.